Das Thema Freigang für Katzen spaltet leider die Gemeinschaft der Katzenliebhaber.

Ich möchte auch gern meine Meinung zu diesem Thema niederschreiben. Es ist mir ein ganz besonderes Anliegen euch meine Argumente gegen einen unkontrollierten Freigang vorzustellen. Alle Befürworter, auch die des ungesicherten Freigangs, sind herzlich eingeladen diesen Beitrag zu kommentieren.

Vorneweg möchte anmerken, dass ich zwei ganz wunderbare Hunde halten darf. Nala und Felix sind kleine Terrier-Mixe und könnten charakterlich nicht unterschiedlicher sein

Nala und Felix unterwegs im Wald

 

Die Spaziergänge mit den beiden finden nur selten ohne Leine statt. Das hat unterschiedliche Gründe: Nala ist ein sehr unsicherer Hund und bleibt bei herannahender Gefahr stehen oder läuft weg. Sie lässt sich dann nur schwer abrufen. Felix dagegen ist ein echter Macho; die Straße unter seinen Pfoten gehört ihm und die verteidigt er. Außerdem ist Felix ein leidenschaftlicher Jäger. Er rennt gern allem hinterher, was sich von ihm wegbewegt: Tieren, Joggern und Fahrradfahrern. Aus diesen Gründen ist es uns unmöglich die Hunde unangeleint streunern zu lassen.

 

 

Und an dieser Stelle muss ich fragen:
Meine Hunde haben das Privileg, dass ich sie mit Hilfe der Leine vor Gefahren beschütze. Meinen Kater soll ich all diesem aussetzen?

Das, meine lieben Leser, passt für mich leider nicht zusammen.

Wir wohnen in einer Großstadt und sind jeden Tag Zeuge davon, wie rücksichtslos viele Menschen miteinander umgehen. Da erstaunt es mich leider umso weniger, wenn ich die traurigen Plakate lesen muss: Schmusy entlaufen, wer hat Murkelchen gesehen oder Blacky wird vermisst.

 

Meine lieben Katzenhalter ihr habt für ein ganz wunderbares Tier die Verantwortung übernommen. Macht etwas daraus!

Die Abenteuerlust einer Katze darf niemals unterschätzt werden

Das gilt für alle Freigänger genau so wie auch für alle Stubentiger. Katzen bringen sich selbst oft in Gefahr. Da ist es doch unsere Aufgabe, sie davor zu beschützen. In einer Wohnung können wir die Gefahrstellen absichern. Bei uns ist es beispielsweise die Küche. Sobald wir die Wohnung verlassen und Charlie allein zu Hause bleibt, schließen wir die Küchentür zu. Sein Futterplatz befindet sich nicht in der Küche. Deshalb ist es für ihn nicht tragisch einige Zeit auf diesen Raum zu verzichten. Der Balkon ist bisher auch noch nicht katzensicher gestaltet. Deshalb bleibt er natürlich auch zu.

Nun sagen alle Freigang-Befürworter bestimmt ganz aufgeregt: „Aber die Katze will nach draußen.“ Das stimmt, Tiere halten sich gern an der frischen Luft auf. Eine andere Aufgabe haben die wenigsten Katzen heutzutage: jagen ist ja nicht mehr notwendig mit einem vollen Napf.

Also sind wir Halter in der Pflicht

Wir haben uns dafür entschieden einem Lebewesen Obdach zu bieten. Deshalb sind wir auch ab dem ersten Tag dafür verantwortlich, dass es dem Tier gut geht. Das beinhaltet: ausgewogene Ernährung, eine saubere Toilette, ein ausreichendes Angebot an Schlaf- und Rückzugsmöglichkeiten und natürlich unsere Aufmerksamkeit. Die Interaktion ist wichtig! Junge Katzen spielen für ihr Leben gern, so trainieren sie ihre Sinne für die Jagd. Später werden viele Katzen ruhiger und beobachten lieber ihre Umgebung. Aber das bedeutet nicht, dass sie deswegen weniger Lust haben zu spielen! Sie wollen nur richtig aufgefordert werden. Ältere Katzen und Katzen-Senioren können mit Intelligenz-Spielzeug gut herausgefordert werden. Such-Spiele können bis ins hohe Alter großen Spaß machen.

Einen Ausgleich zum Freigang zu finden, bei dem Katze und Halter zusammen etwas unternehmen ist wichtig. Die starke Bindung, die daraus entstehet und das Vertrauen eurer Stubentiger zu euch als Halter kann kein Freigang der Welt aufwiegen.

Eine großartige Alternative ist der kontrollierte Ausflug nach draußen. Das beinhaltet ein langes gemeinsames Training; alles muss erarbeitet werden: vom Geschirr anlegen bis zu den ersten Schritten in die Natur. Hier könnt ihr das Vertrauen eurer Katze zu euch auf die Probe stellen, denn das Geschirr-Anlegen benötigt einige Tage Training. Dazu habe ich euch hier einige Tipps aufgeschrieben, eine sehr gute Anleitung zum Start mit dem Training gibt es auf dieser Seite: https://blogkatzen.de/
Bitte erwartet keine Wunder von euren Katzen und zeigt ihnen alles mit viel Geduld. Jeder kleine Fortschritt wird euch unglaublich stolz machen und jeder große Rückschritt wird euch klar machen: ihr trainiert mit einer Katze!

Dieses gemeinsame Training wird eure Bindung stärken. Ich kann davon voller Überzeugung schreiben, denn mein kleiner Kater hat seit einigen Tagen sein Geschirr an! Er läuft sogar schon in der Wohnung und auf dem Balkon mit Leine. Als Katzen-Mama könnte mich mein kleiner Charlie kaum stolzer machen. Auch dass er mich dabei beobachtet, wie ich die Leine in der Hand halte zeugt für mich von großem Vertrauen. Die kleinen Ausflüge auf den Balkon lasten ihn zurzeit sehr aus. Das Abschnüffeln der Pflanzen und die Geräuschkulisse verunsichern ihn zunehmend weniger. Ich freue mich schon sehr auf unseren ersten gemeinsamen Ausflug auf eine Wiese.

Fazit: Freigang darf nicht als Alibi genutzt werden, um die Katze draußen auszusetzen und sich selbst zu überlassen. Unsere Mitbewohner beschäftigen sich gern mit uns und brauchen unsere Aufmerksamkeit. Heutzutage ist es leicht tolle Anleitungen für gemeinsame Spiele und Trainigs-Einheiten zu finden. Genießt die gemeinsame Zeit!

Was denkt ihr über Freigang? Darf eure Katze/Kater unkontrolliert nach draußen? Oder seid ihr auch ein Spaziergänger?
Erzählt mir was ihr darüber denkt, und warum ihr euch so entschieden habt.